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Bungi testet … die RockShox Lyrik RC2 Boost-Federgabel 2019

RockShox – das ist der Inbegriff für Federgabeln und Dämpfer im MTB-Sport. Die Lyrik ist bekannt als eine der besten Enduro-Federgabeln überhaupt, und das schon seit langer Zeit. Allerdings hatte sich RockShox bis zum 2018er-Modell eher der Weiterentwicklung anderer Gabeln gewidmet, es dann aber richtig krachen lassen: Sie wurde grundlegend überarbeitet, um weiterhin bei den Enduro-Gabeln den Ton anzugeben – das ist gelungen. Aber gerade nachdem man 2018 dieses große Update gefahren ist, stellt sich die Frage, warum RockShox für 2019 wieder was Neues rausbringt: Weisen die Neuerungen so einen gravierenden Unterschied zum Modell aus 2018 auf? Was hat sich geändert, lohnt sich ein Upgrade zur 2019er-Gabel? Wird Bungi also weich bei diesem Test?

Rock Shox Lyrik RC2 Boost Test

Auf einen Blick gefedert

Die neue Lyrik macht ihrem großen Namen alle Ehre und erscheint in allen Belangen verbessert – kein unnötiges Marketing-Update also! RockShox hat sich richtig ins Zeug gelegt, endlich hat die DebonAir-Federung Platz in der Lyrik genommen – und verzaubert den Fahrer mit einer nicht zu erwartenden Leistungssteigerung. Auch die Dämpfungseinheit ist neu und verfügt über eine verstellbare High-Speed-Druckstufe. Mit der neuen Offset-Variante trägt RockShox der neuen Generation von Enduro-MTBs Rechnung! Die hohen Anschaffungskosten werden durch die Performance gerechtfertigt, im Vergleich zu anderen Gabeln sortiert sie sich im oberen Mittelfeld ein, was den Preis angeht. Die beste Enduro-Gabel aller Zeiten wird diesen Titel also auch in der näheren Zukunft tragen. Aber lest doch selbst genauer, warum das so ist!

Bungis Federgabel-Test

„Nach der gravierenden Überarbeitung der 2018er-Lyrik war ich ein wenig überrascht, dass RockShox direkt wieder nachlegt. Aber gut, testen wir das mal, habe ich mir gesagt: Seit knapp zwei Monaten ziert die neue 2019er RockShox Lyrik RC2 mein Radon Swoop Testbike. Ich fahre sie in 27,5" mit einem Federweg von 170 mm und dem neuen Offset von 37 mm. Was direkt auffällt, ist, dass die Lyrik optional in BooxerRot bestellt werden kann – schon schick, allerdings wollte ich sie in ihrem klassischen schwarzen Kleid. Aber nicht nur das wurde verändert. Hier direkt mal ein kleiner Überblick, auf den die Details folgen:

  • Größter Unterschied: die neue DebonAir-Luftfeder-Einheit!
  • Unabhängige High- und Low-Speed-Druckstufe – die High-Speed-Druckstufe ist jetzt auch einstellbar!
  • Das Offset wurde angepasst, sprich für die neuen flachen Lenkwinkel gibt es nun auch Versionen mit 37-mm-Offset bei 27,5“ und 42-mm-Offset bei 29“-Laufrädern!
  • Die Lyrik ist nun auch mit 180 mm Federweg für 29“ zu haben.
  • Nicht nur in Schwarz verfügbar, sondern auch in BooxerRot!
Rock Shox Lyrik RC2 Boost Test detail

Raus aus dem Karton und rein ins Bike

Muss man dafür studiert haben? Klare Antwort meinerseits: nein! Der Einbau der Gabel ist kein großes Hexenwerk: Gabelschaft auf die richtige Länge kürzen, entgraten, Kralle einschlagen und Gabelkonus auftreiben. Dann die Lagerkontaktflächen einfetten und rein ins Steuerrohr! Nach dem Einstellen des Steuerlagerspiels und der Lenkfreigängigkeit heißt es erstmal ein Grund-Setup mittels SAG (negativer Federweg) einstellen. Doch erstmal schauen wir uns die neue Lyrik sozusagen von innen an.

Lyrische Ergüsse: What's new?

Die Federung: Endlich hat DebonAir den Weg in die Enduro-Benchmark-Gabel gefunden. RockShox verspricht sich durch die DebonAir-Luftfedereinheit, welche seit Jahren schon bei RockShox-Dämpfern eine bekannte Größe ist, ein feinfühligeres Ansprechverhalten und eine verbesserte Kennlinie der Gabel. Diese erreichten die Techniker, in dem sie unter anderem die Negativ-Kammer um 42 % vergrößerten. Laut RockShox soll nun die Gabel bei kleinen Schlägen, speziell im mittleren Federwegsbereich – dem so genannten Mid-Stroke-Support – besser ansprechen und agieren. Ein weiteres neues Detail aus dem Inneren ist der neue Aluminium-Trennkolben, welcher über ein Bushing auf den AirShaft geführt wird. Die Reibungsreduzierung soll 73 % betragen und der Stick-Slip-Effekt – das ist der Übergang bei Richtungsänderung vom Ein-Ausfedern – soll sogar 86 % betragen. Die Kennlinie kann mittels Tokens und Luftdruck an die persönlichen Gepflogenheiten angepasst werden.

Das sind starke Zahlen, die die Erwartungen an die Lyrik auf jeden Fall hochschrauben. Und das ist ja noch nicht alles. Das neue Dreamteam der Lyrik wird vervollständigt durch die neue Carger 2 RC2 Dämpfungseinheit. Denn mit der 2019er-Version erhält die Mutter aller Enduro-Gabeln auch eine einstellbare High-Speed-Druckstufe. Ein absolutes Highlight, was dem Fahrer ein noch besseres Einstellen ermöglicht und dadurch eine bessere Kontrolle verspricht!

Die Dämpfung: Auch der Carger 2 RC2 Dämpfer ist neu bei der Lyrik, was sodann die Arbeitsweise von Druck- und Zugstufe betrifft. Die Druckstufe reguliert die Einfedergeschwindigkeit des Federelements. Mit einer vollen Druckstufe federt der Dämpfer langsam ein. Das macht das gesamte Fahrverhalten straffer, der Fahrer erhält mehr Rückmeldung vom Untergrund. Bei MTB-Gabeln für die Disziplinen Enduro und Downhill wird die Druckstufe noch mal unterteilt: in Highspeed- und Lowspeed-Druckstufe. Und die sind jetzt unabhängig voneinander einstellbar.

Die Low-Speed-Druckstufe kümmert sich um größere Bodenwellen und z.B. Anliegerkurven, sie nimmt sich sozusagen der langsamen, weichen Kräfte an, die auf das Bike einwirken. Das Fahrwerk verhält sich umso straffer, je härter die Einstellung der Low-Speed-Druckstufe ist. Für die schnellen und abrupten Schläge auf die Gabel ist die High-Speed-Druckstufe zuständig. Auch hier gilt: Je voller die Druckstufe, desto härter reagiert die Federgabel.

Rock Shox Lyrik RC2 Boost Test detail

Die Low-Speed-Druckstufe ist individuell einstellbar, was nicht neu ist – aber dass die High-Speed-Druckstufe feiner abgestimmt werden kann, ist es: Es gibt 5 Stufen, aus denen man wählen kann. Die mittlere ist diejenige, die dem bisherigen Standard-Setup entspricht.

⇒ Jetzt wird auch klar, an wie vielen Stellschrauben RockShox eigentlich gedreht hat, um die Lyrik auf dieses Niveau zu heben!

Neben der Druckstufe gibt es dann noch die Zugstufe, auch unter dem Namen Rebound bekannt. Denn neben der Einfedergeschwindigkeit ist da natürlich auch die Ausfedergeschwindigkeit. Dass sie einstellbar ist, ist auch nicht neu. RockShox hat aber hier durch die neue Dämpfungseinheit den Rebound besser im Griff, was insgesamt das Ansprechverhalten der Gabel beeinflusst.

Offset

Ich habe die neue kürzere Offset-Variante gewählt, um mein Testbike agiler zu halten. Da der Lenkwinkel als Konsequenz von längeren Geometrien flacher geworden ist, wurde an einem anderen Parameter geschraubt: dem Offset-Abstand. Der Lenkwinkel gibt den Winkel an, in welchem die Gabel zum Boden steht – wenn dieser flacher (kleiner) wird, schiebt er das Vorderrad nach vorne, was Nachlauf und Radstand erhöht. Das Ergebnis ist mehr Laufruhe, aber auch ein träger zu steuerndes Bike. Deshalb verkürzt man den Offset-Wert und das Rad ist wieder besser im Handling, direkter.

Mehr Progressivität: Tokens

Neben den neuen umfangreichen Einstellmöglichkeiten der Druck- und Zug-Stufe kann man zusätzliche Progressivität durch Hinzufügen von Tokens erreichen. Sie beschränken den Raum, welcher der Federung zur Verfügung steht. Tokens sind nicht neu, aber ich erkläre sie dennoch kurz: Die Bottomless Tokens haben direkten Einfluss auf die ‚Luftfederleistung‘. Die einfach zu installierenden Tokens machen die Luftfederung an sich linearer. Das macht die Federung aggressiver, was für bestimmte Fahrstile und Terrains vorteilhaft sein kann. Wer gerne mehr Progression benötigt, kann die Token mittels eines Zahnkranz-Tools ganz leicht ein- und ausbauen. RockShox macht natürlich auch Angaben zur maximalen Anzahl:

Ein erstes Setup

Ich habe für das Grund-Setup erstmal nur ein Token verbaut und den SAG (negativer Federweg) auf 20 % eingestellt. Der negative Federweg, wohl besser unter dem Begriff SAG bekannt, wird als der Teil des Federwegs bezeichnet, der allein durch das Eigengewicht des Fahrers komprimiert wird. Ein Orientierungswert für den SAG liegt bei 15 - 30 % des gesamten Federwegs. Verringert man den SAG, wird das Fahrwerk straffer, reaktionsunfreudiger könnte man auch sagen.

Bei der Zugstufe und der Druckstufe (im Low- wie auch bei High-Speed) wählte ich die goldene Mitte. Was sich aber nach den ersten paar Trailmetern, die auf das persönliche Empfinden wirkten, änderte, so dass ich nachjustierte. Was auffällig war: Ich musste gute 10 psi mehr Luft reinpumpen als bei der Vorgängerin.

Auf dem Trail in Action

„Was soll ich großartig sagen? … nichts! Eigentlich ist das kein gutes Zeichen. Aber in diesem Fall schon! Die Gabel macht alles mit, was man von ihr erwartet. Sei es auf alpinen Trails oder im deutschen Mittelgebirge. Egal, was oder wer der Lyrik einen verpassen will, sie bügelt es weg. Unebenheiten der kleineren Art ‚saugt die Lyrik in sich auf‘, was im Vergleich zur Vorgängerin aber deutlich definierter vonstattengeht – kein unnötiges Abtauchen.

Im Bereich des Midstoke-Supports, welcher erhöht wurde, gibt die Lyrik nur so viel Federweg frei, wie gerade benötigt wird. Dadurch steht letztlich mehr Federweg zur Verfügung, wenn er wirklich gebraucht wird: Nach aufeinanderfolgenden Wellen oder Schlägen kehrt die Gabel schneller wieder in die Ausgangsposition zurück, was sich eben im darauffolgenden Schlag wieder auszahlt.

Die Dämpfung arbeitet sehr ansprechend und kann durch die vielen Einstellmöglichkeiten und Klicks perfekt an die persönlichen Vorlieben angepasst werden. Mittlerweile zum RockShox-Standard gehören ja die Dämpfungsmarkierungen. Die praktischen Gummiringe sind perfekt, um sich nach und nach das perfekte Setup einstellen zu können.

Ein federweiches Fazit

Mit der neuen Lyrik 2019 hat RockShox voll ins Schwarze – oder besser noch: ins BoxxerRote – getroffen ;). Die Lyrik ist im Vergleich zur Vorgängerin in allen Belangen besser aufgestellt! Die DebonAir-Luftfedereinheit und die Carger RC2 Kartusche leisten hier ganze Arbeit: Die Gabel steht satt und straff im Federweg, spricht feinfühlig an und kann auf die persönlichen Vorlieben angepasst werden, ohne dass man studiert haben muss! Das macht den hohen Preis verschmerzbar, wobei man sagen muss, dass der Preis zu vergleichbaren Gabeln anderer Hersteller noch okay ist. Cool ist übrigens auch, dass man die DebonAir-Einheit nun auch in alte Modelle als Upgrade-Kit verbauen kann! Das ist dann nicht ganz so teuer.“

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